Fenja & Jonte
Früchte am Feldrand

Apfelernte im Ausnahmezustand

Helfer finden, Veranstaltungskonzepte entwerfen, Ernte ermöglichen: Wir helfen dem Streuobst e.V., auch in diesem Jahr seine Flächen zu bewirtschaften.

Der Verein wirkt in vielen Aspekten positiv für das Gemeinwohl, kann seine Arbeit aber ohne die jährliche Obsternte nicht leisten. In Zeiten von Covid19 sind die Ernte- und Pflegeeinsätze der Ehrenamtlichen erschwert. Unser Projekt soll die wertvolle Arbeit des Vereins trotzdem ermöglichen.

Der Streuobst e.V.

Der gemeinnützige Verein holt Streuobstwiesen im Raum Göttingen zurück in die Nutzung, um sie trotz ihrer geringen Rentabilität zu bewahren. Das nutzt nicht nur den BesitzerInnen, sondern vor allem den vielen Tier- und Pflanzenarten, die in diesem einzigartigen Biotop leben. Ganz nebenbei werden dabei alte Obstsorten erhalten. Das alles schafft der Verein, indem er die BesitzerInnen der Streuobstwiesen mit BewirtschafterInnen und anderen Akteuren wie SchäferInnen oder Verarbeitenden vernetzt und zudem ermöglicht, die landwirtschaftliche Flächenprämie der EU zu erhalten.

Das Biotop Streuobstwiese erhalten

Die Streuobstblüte bietet Insekten Nahrung.
Die Blüte der Streuobstbäume bietet Insekten Nahrung.

Als Streuobstwiesen bezeichnet man Wiesen oder Weiden, die von großen, meistens alten Obstbäumen bestanden sind. Sie sind sehr strukturreich und bieten damit vielen verschiedenen Arten einen Lebensraum. Man findet hier zum Beispiel Schafgarbe und Wilde Möhre, Wildbienen und Schmetterlinge, Wiedehopf und Steinkauz, Fledermäuse und Siebenschläfer sowie Frösche und Kröten. Der Schutz der Streuobstwiesen erhält damit die Biodiversität in unserer sonst artenarmen Agrarlandschaft und wirkt dem Insektensterben entgegen. 

Kulturgüter bewahren

Streuobstwiesen werden schon seit Jahrhunderten bewirtschaftet, doch im Vergleich zu herkömmlichen intensiv bewirtschafteten Obstplantagen ist diese Art der Bewirtschaftung nicht mehr rentabel. Doch ohne Nutzung wird die Streuobstwiese auch nicht mehr gepflegt, wodurch die Wiesen allmählich zuwuchern und die Bäume zerfallen.

Die Bäume sind meist alte, oft auch seltene oder lokale Sorten. Verschwinden die Streuobstwiesen, gehen auch die Sorten verloren. Aber in Zeiten des Klimawandels bilden gerade sie die genetische Grundlage für neue Züchtungen, die zukünftig besser mit den veränderten Bedingungen wie Trockenheit und Hitze zurechtkommen können. Verschwinden diese Relikte der Vergangenheit, verschwindet also auch ein Stück Zukunft. 

Die Arbeit des Streuobst e.V.

Der Verein kann Streuobstwiesen nicht per Fingerschnipp wieder rentabel machen, aber er bringt Menschen zusammen, die sie ehrenamtlich erhalten wollen, und ermöglicht ihnen zumindest eine Aufwandsentschädigung.

Landwirtschaftliche Fördermittel erhalten in Niedersachsen nur landwirtschaftliche Betriebe, aber keine Privatpersonen. Der Verein pachtet von ihnen die Flächen und beantragt die Gelder. Diese stehen für Nachpflanzungen, Materialkosten und Aufwände zur Verfügung. Können Vereinsmitglieder die Pflege nicht übernehmen, können darüber Dienstleister beauftragt werden. Die Ernte soll dann gemeinsam vermarktet werden, aber da der Verein noch jung ist, muss die Vermarktung erst noch aufgebaut werden.

Wie fördert der Verein das Gemeinwohl?

Neben dem aktiven Naturschutz und dem Erhalt von Kulturgütern engagiert sich der Verein auch noch in der Bildung. Für dieses Frühjahr war eine Veranstaltungsreihe geplant, die sich mit verschiedensten Streuobstthemen beschäftigen sollte. Sie wird vorerst auf den Herbst verschoben. Immer wieder betreut der Verein Studierende bei ihrem beruflichen Praktikum oder vergibt Abschlussarbeiten, die dann beispielswiese Konzepte für die Vermarktung erarbeiten. 

Die Öffentlichkeitsarbeit des Vereins soll den Wert der Streuobstwiese wieder ins öffentliche Bewusstsein rücken, denn nur was man kennt, kann man auch schützen.

Und jetzt? Ernten ohne Helfer?

Streuobsternte mit Traktor
Streuobsternte mit Traktor

Für die Ernte des Streuobstes werden viele Hände gebraucht. Der Streuobst e.V. organisiert dafür Ernteeinsätze: Er trommelt Menschen aus der Stadt und vom Land zusammen, die ehrenamtlich die Arbeit des Vereins unterstützen. Ausgerüstet mit Planen, Stangen und Eimern sammeln sie das Obst unter und von den Bäumen. Aber wie kann man in Zeiten des Corona-Virus die Früchte von der Streuobstwiese holen?

Erstes Ziel: Die Ernteeinsätze coronatauglich machen

Deshalb ist unser erstes Ziel, einen Leitfaden zu entwickeln und aktuell zu halten, der solche Einsätze ermöglichen kann. Er soll Klarheit schaffen im Chaos der aktuellen Entwicklungen und den unterschiedlichen Wegen einzelner Bundesländer. Für alle Interessierten einsehbar wird er auf der Homepage des Vereins sein. Wir beschränken uns dabei auf Niedersachsen, wo der Verein hauptsächlich tätig ist. 

Die Entwicklungen der Einschränkungen sind im Moment sehr dynamisch, deshalb können wir kein dauerhaft gültiges Merkblatt liefern. Die erste Fassung soll Anfang Juni erscheinen, rechtzeitig zum Beginn der Kirschenernte Mitte Juni. Bei neuen Entwicklungen wird es entsprechend aktualisiert. Es wird schwierig werden, den Durchblick zu behalten, aber wir hoffen mit einer guten Quellensammlung schnell auf Änderungen reagieren zu können.

Eine weitere Schwierigkeit wird sein, auch die Zielgruppe dieses Merkblattes zeitnah über Änderungen zu informieren. Hier wird es vor allem in der Verantwortung der VeranstalterInnen von Ernteeinsätzen liegen, im Vorfeld zu klären, welche Vorkehrungen getroffen werden müssen. Unser Leitfaden kann hier nur eine Hilfestellung zur Durchführung sein.

Zweites Ziel: HelferInnen finden

Auf der einen Seite hat der Verein die Flächen, aber nicht genug Leute, um sie zu beernten. Auf der anderen Seite haben Menschen Lust, ihre durch Covid19 vielleicht freigewordenen Kapazitäten einer guten Sache zu widmen und einen schönen Tag im Freien zu verbringen. Aber wie kommen die Flächen und die Helfer zusammen? Genau deshalb hat der Verein vor kurzem einen Freiwilligenpool nach einem Brandenburger Vorbild eingerichtet.

Hier können sich Freiwillige eintragen und werden per Mail informiert, wenn für sie interessante Aktionen angekündigt werden. Streuobstwiesenbesitzende und -bewirtschaftende können ihre Aktionen einstellen. Die Plattform ist für alle kostenlos, die Organisation des Arbeitseinsatzes übernimmt der Verein dabei nur bei eigenen Flächen. Das Problem: Bisher kennt ihn niemand. 

Um den Freiwilligenpool bekannter zu machen, werden wir ihn auf der Website des Vereins präsenter machen. Dann werden wir zunächst per Mail versuchen, möglichst viele potentielle Helfer über verschiedene Institutionen, zum Beispiel das Streuobstbündnis Niedersachsen oder die regionalen Mostereien, zu erreichen. Im gleichen Atemzug machen wir Werbung für den Verein, um Streuobstwiesenbesitzern die Möglichkeit zu geben, mit ihren Flächen Teil des Vereins zu werden. Außerdem werden wir in der Gegend Aushänge verteilen. 

Was bleibt am Ende?

Der Freiwilligenpool soll auch nach Corona-Zeiten bestehen bleiben, der Streuobst e.V. wollte schon lange einen einrichten, aber erst durch die Coronakrise konnte dieses Vorhaben weit genug auf der Prioritätenliste nach oben rücken.

Der von uns erarbeitete Leitfaden wird nach Ende unseres Projektes nur noch sinnvoll sein, wenn er regelmäßig aktualisiert werden kann. Sobald die Pandemie vorüber ist, wird er nicht mehr nötig sein.

Und warum das ganze?

Warum nicht?! Die Ziele des Streuobst e.V., die Vielfalt des Lebens zu bewahren und das Wissen darüber in die Welt zu tragen, wirken über sich hinaus und dienen dem Gemeinwohl. Deshalb stellt sich diese Frage für uns gar nicht erst. 

Werde auch Du im Herbst aktiv! Trag dich in den Helferpool ein und genieße die Schönheit der Streuobstwiesen!

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