Marie & Till

Neues aus dem mobilen Hofladen

Seit unserem letzten Blogeintrag sind ein paar Wochen ins Land gezogen. Der Frühling grüßt uns, wie es im Zuge der Klimaerwärmung in den letzten Jahren bereits vermehrt vorkam, mit Temperaturen teils jenseits der 25 Grad und einer ausgiebigen Vorsommertrockenheit. Gerade in dieser starken Wachstumsphase benötigen die Kulturen auf unseren Äckern ausreichend Flüssigkeit – doch in Kombination mit recht trockenen Wintern scheinen die oberen Bodenschichten stark ausgetrocknet zu sein. Glücklicherweise verfügt unser Betrieb über eine Beregnung, kann aus drei tiefgründigen Brunnen Wasser entnehmen und so die besonders durstigen Pflanzen wie z.B. Kartoffeln und Bohnen speisen. So gedeihen etwa die Knollen im Damm prächtig und wir können unsere Kunden in den nächsten zwei Wochen wieder mit frischen Frühkartoffeln versorgen.

Die Folgen der Corona-Pandemie halten uns weiter in ihrem Bann. Trotz starker Lockerungen in Bezug auf das öffentliche Leben spürt man auf dem Hof, dass es noch ein weiter Weg bis zur vollkommenen Normalität werden könnte. Alle Kunden tragen im Hofladen eine Mund-Nase-Bedeckung, treten nur einzeln ein, bleiben auf Abstand. Medizinisch also genau richtig, auf der persönlichen Ebene fühlt sich dies dagegen komisch an, da wir mit langjährigen Kunden häufig einen intensiven und vertrauten Umgang pflegen. Diese Einzelbetreuung lässt andernfalls entstehende Gespräche zwischen Kunden aber nicht zu. Wir empfinden es teilweise ein wenig wie eine Abfertigung, der Kunde im Hofladen möchte den draußen Wartenden nicht mehr Zeit rauben als nötig, wirkt teils kürzer angebunden als sonst üblich. So scheint teilweise fast eine etwas gehetzte Stimmung zu entstehen.

Eine weitere Erkenntnis unser mobiles Hofladenprojekt betreffend ist dagegen: Zu viel Kaffee ist auch nix! Nachdem wir die Werbung für unseren mobilen Hofladen an einige uns bekannte Senioren in der Umgebung verteilt hatten, wurde diese Option des Essens auf Rädern teilweise sehr dankend angenommen. Einige ältere Mitmenschen wirkten sehr froh, sich einen Teil ihrer Lebensmittel von uns liefern lassen zu können. Dabei scheint es aber, wie beim Hofladenbesuch, nicht nur um die Nahrung an sich, sondern auch sehr um den sozialen Kontakt zu gehen. Über Kartoffeln, Äpfel, eine Dose Wurst oder ein Glas Honig haben sich alle gefreut, doch durch die Isolation hörten wir des Öfteren, dass Gespräche fast genauso sehr fehlen können wie Essen und Trinken. Nach dem Abstellen der Lebensmittel wurden wir des Häufigeren auf eine Tasse Kaffee am Gartenzaun eingeladen. Nur um noch ein wenig zu bleiben, sich über die neusten Entwicklungen im Dorf oder auf den Feldern auszutauschen. Dies ging manchmal so weit, dass es uns fast schwer gefallen ist, wieder zu gehen. Die auf dem Hof wartenden Aufgaben kreisten im Kopf, auf der anderen Seite wollen wir natürlich auch niemanden abbügeln, nur um schnell weiterzukommen. So haben wir uns einige Tassen gegönnt und andere abgelehnt, damit sich die längeren Pausen nicht zu sehr auf den Arbeitsstundenzetteln bemerkbar machten und unser Wohlbefinden nicht zu sehr vom überschüssigen Koffeinkonsum beeinträchtigt wurde. 

Im Betriebsklima hat sich seit unserer intensiveren Auseinandersetzung mit den Themen der Gemeinwohl-Ökonomie einiges getan. Wir wollen aktiv versuchen, einige neue Ansätze zu integrieren und eingefahrene Strukturen aufbrechen. Denn alle sind sich einig: Stete Veränderungen sind gut und nötig, wir wollen die durch Corona bedingten Veränderungen in unseren täglichen Leben und unseren Abläufen als Chance wahrnehmen und da kommt die Gemeinwohl-Ökonomie genau zur richtigen Zeit!

Wurden sonst Besprechungen zwischen Frühstücksbrot und einem klingelnden Telefon geführt, bemühen wir uns jetzt, täglich fixe Zeiten für Besprechungen und Diskussionen einzuräumen. Neben anstehenden Arbeiten auf dem Acker besprechen wir auch viel ausführlicher (und nicht nur nebenbei beim Mittagessen), wie wir bestimmte Arbeitsabläufe evtl. noch optimieren könnten. Und das lohnt sich! Neben einer effektiveren Arbeitsweise fühlen sich auch die Menschen auf dem Hof anders wahrgenommen. Die Ideenvielfalt soll genutzt, mehr Transparenz in Bezug auf Arbeitsabläufe und anstehende Tätigkeiten geschaffen werden. Wenn das gesamte Team Bescheid weiß, kann jeder schnell reagieren. Dies führt insgesamt zu mehr Flexibilität was die Arbeitseinteilung betrifft. Eigentlich logisch, in anderen Momenten gar nicht so leicht zu etablieren.  

Wie sich unser Projekt zwischen Hofgemeinschaft, Hofladen und Corona in den nächsten Wochen entwickeln wird, ist schwer zu sagen. Inzwischen ist durch die Lockerungen der Maßnahmen eine gewisse Entspannung bei vielen Menschen festzustellen. Einige Vorsichtigere haben schon angedeutet, dass sie eine Aufrechterhaltung des Lieferservices freuen würde, andere dürsten aber nach sozialen Kontakten und eigenen kleinen Reisen, auch wenn diese nur in die nächstgelegenen Hofläden führen.

Eure

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