Marie & Till

Corona und der Treffpunkt Hofladen

In diesen Tagen zeigt sich umso mehr: Zusammenhalten und Gemeinschaftsaktivitäten sind für uns als Gesellschaft und Hofgemeinschaft essentiell. Wenn uns gemeinsame Tätigkeiten als Gruppe nur eingeschränkt zur Verfügung stehen, bemerken wir schnell, wie stark wir doch von anderen Menschen emotional wie materiell abhängig sind.

Unter dem Motto „Gemeinwohl säen“ stehen wir Studierenden/Kartoffelbauern jetzt vor der Aufgabe, die Menschen zu erreichen, die gerade am wenigsten gemeinschaftliches Engagement verspüren.

Uns gehen Fragen durch den Kopf, wer sind diese Menschen, wo wohnen sie? Was können wir als Kartoffel-Bauern im Raum Braunschweig für unsere Mitmenschen und Kunden tun? Wie kann sich unsere Hofgemeinschaft organisieren, um den Kundenstamm nicht zu verlieren?

Die letzten Wochen haben wir mit Kartoffeln legen verbracht. Hatte auch irgendwie einen „Gemeinwohl-Säen“- Charakter. Schließlich sind die Kartoffeln ja nicht für uns bestimmt, sie sind für all die vielen Haushalte im Raum Braunschweig, bei denen genussvolle Erdäpfel auf dem Mittagstisch nicht fehlen dürfen.

Jetzt Anfang Mai haben wir genug Kartoffelbeete eingesät. Jetzt heißt die Devise: Gemeinwohl säen!

Uns ist aufgefallen, dass sich  in letzter Zeit die breite Generationenvielfalt, die sonst das Bild unseres Hofladens bildet,  geändert hat. Der Treffpunkt Hofladen wird nicht mehr als Kreuzung zwischen den Generationen genutzt. All die Geschichten von Enkel XY, der Streit zwischen Onkel Peter und Oma Erna fehlen und sorgen gerade komischerweise dafür, dass sich der Hofladenbetrieb deutlich beschleunigt. Auf der einen Seite top für unseren Arbeitsstundenzettel, auf der anderen Seite verlieren wir gerade ein Stück der langsamen Einnahmen und der Hofladen verliert ein Stück seiner Identität. Der gesamte Hof oder wie man heute so schön sagt, all die Stakeholder gehören zu unserem landwirtschaftlichen Betrieb. Und den gilt es jetzt wieder zusammenzusetzten. Die Suche nach den älteren Stücken unter uns hat begonnen.

Unsere Idee und unser Ziel

Wenn unsere älteren Kunden nicht mehr zu uns kommen können, fahren wir halt zu ihnen hinaus! Wir docken an unseren Hofladen einen Lieferservice für Menschen an, die gerade nicht zu uns kommen können, aber besonders als Stammkunden sehr wichtig sind. Kurzum, unsere Aktion wird ein Win-Win.

Wer und was steckt hinter der Idee des Rollenden Hofladensortiments?

Wir sind Till und Marie und möchten die Idee von einer gemeinwohlorientierten Hofgemeinschaft gerade in diesen Zeiten ausstrahlen und vertreten. Mit Hirn, Hand und Herz möchten wir unsere qualitätsbewussten Kunden mit gesunden Lebensmitteln versorgen. Doch was macht unseren Hof zu etwas Besonderen? Wo sind wir überhaupt zu finden und welche Produkte bauen wir an und verkaufen wir?

Wir leben und arbeiten auf einem Betrieb in Umstellung zur ökologischen Landwirtschaft. Idyllisch zwischen Elm und Asse, 15 Kilometer süd-östlich von Braunschweig gelegen werden bei uns Weizen und Gerste, Bohnen, Mais, Kartoffeln, Zwiebeln und Zuckerrüben angebaut. Vor allem die Kartoffeln und Zwiebeln werden, ergänzt von weiteren regional gewachsenen Produkten, im betriebseigenen Hofladen verkauft. Dieser besteht seit 2004 und konnte sich in dieser Zeit, trotz weiterer ähnlicher Hofläden in der Region, einen treuen Kundenstamm aufbauen.

Regional werden die zugekauften Produkte Äpfel und Apfelsaft von einem Obstbaubetrieb aus der Gemeinde, Dosenwurst und Mettwurst von einem Fleischer aus der Gemeinde, Eier aus dem Mobilstall und selbstgekochte Marmelade von einem befreundeten Berufskollegen aus dem Nachbarort und Honig von einem Imker aus dem Elm vertrieben. Daneben befinden sich noch zwei regionale Süßweine im Angebot, die aus einem 30 Kilometer-Radius stammen. Das einzig überregionale Produkt stellt die etwas breitere Weinpalette mit 10 Rebsorten von einem kleinen Weingut in Rheinland-Pfalz dar. Sie liefern außerdem selbstproduzierte Spirituosen, wie etwa einen Birnen- oder Kräuterschnaps.

Alle genannten Produkte sind ganzjährig verfügbar. Saisonal werden zudem Kohlrabi, Tomaten und Rote Beete von einem Gemüsebetrieb aus dem Nachbarort geliefert.

1. Erkenntnis: Die älteren Stücke sind schwieriger zu erreichen als gedacht

In unserer ländlich geprägten Region ist der Altersdurchschnitt unserer Hofladenkundschaft relativ hoch. In der jüngeren Generation scheint der Wunsch nach einer anderen Form von Einkaufserlebnis teilweise noch in den Kinderschuhen zu stecken. Ihr Alltag erscheint zwischen Familie, Arbeit, Freizeit und Freunden auch deutlich enger getaktet, sodass der Einkauf überwiegend praktisch und schnell sein sollte. Ein Wochenendausflug mit Hofladenbesuch und dem „Schnuppern von Landluft“ scheint aber auch eine gern gesehene Abwechslung zu sein. Der Haupteinkauf findet jedoch überwiegend beim “Vollsortimenter” nach der Arbeit und ohne „zeitraubende“ Gespräche statt.

Im Gegensatz dazu ist die pensionierte Bevölkerung gerade an diesem Austausch interessiert. Sie haben die nötige Zeit und suchen das Gespräch mit uns. Unsere Gespräche beginnen beim einfachem Dorfklatsch, gehen über das Wetter bis hin zu neuartigen Anbaumethoden im Ackerbau. Es ist eine deutlich engere Verbindung zur Lebensmittelproduktion zu spüren als bei der jüngeren Generation. In jüngeren Zeiten waren doch viele von ihnen selbst landwirtschaftlich tätig, hatten Landwirte im Verwandtenkreis oder haben zumindest einen eigenen Gemüsegarten bewirtschaftet. An diese Zeiten scheinen viele gerne zurückzudenken, sie wollen ihren Erfahrungsschatz weitergeben oder selbst ackerbautechnisch auf dem Laufenden bleiben und verstehen, wie in der heutigen Landwirtschaft gearbeitet wird.

Mit Beginn der Corona-Zeit sind es die älteren Kunden, die ein höheres Risiko tragen und zum eigenen Schutz sämtliche Sozialkontakte vermeiden sollten. Wenn möglich werden die Einkäufe von Verwandten, Freunden und Nachbarn erledigt. Viele von ihnen sind aber auch auf sich allein gestellt, durch vermehrten Zuzug und Abgang bestehen für die älteren Menschen auf den Dörfern häufig nicht mehr die jahrzehntelangen Freundschafts- und Vertrauensverhältnisse, die Kinder wohnen häufig hunderte Kilometer entfernt. Und so stehen ältere Menschen als Teil der Risikogruppe auf den Dörfern häufig recht allein da.

Aber nicht mehr lange. Unser Hofladensortiment kommt jetzt zu ihnen nach Hause. Doch wie erreichen wir unsere Zielgruppe jetzt?

Kleine Geschichte von Kartoffelherzen

Als hätten wir es bei der letzten Ernte bereits gewusst, irgendwann brauchen wir alle ganz viel Herz. Die gesammelten Kartoffeln der letzten Saison mit Herz-Form bekommen endlich ihren Auftritt und helfen uns dabei, die Idee vom Rollenden Hofladensortiment zu verbreiten. Sie werden aufbereitet und vor die einzelnen Haustüren unserer Kunden*innen gelegt.

 Mit dem Slogan „Uns schmeckt‘s nach Zusammenhalt!“ bekommen unsere Stammkunden einen Gruß von ihrem vertrauten Hofladen. Der Gruß enthält alle wichtigen Informationen zu unserem Lieferservice. Total unkompliziert erreicht man unsere  Stimmen mit nur einem Anruf.

Bis Bald, eure

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